Semmering - eine große Geschichte
Im Wandel der Jahrhunderte hat diese romantische Passlandschaft mit Ihren steilen Kalkwänden, zerklüfteten Felsen, breiten Bergrücken und weiten Tälern manch einschneidende Veränderung erfahren.

Das Gebiet galt noch im Mittelalter als wild und unzugänglich, so dass der Güter und Warenverkehr aus dem Wiener Becken nach dem Süden und Südosten und umgekehrt lange Zeit über das Pittental erfolgte. Erst im Jahre 1160 wurde ein Saumweg über den Semmering angelegt, der durch das Greis zum Bärensattel und weiter zur Passhöhe hinanführte.

Allmählich verlagerte sich der Verkehr zu dem neuen Durchstieg, wovon nicht zuletzt Neunkirchen und Gloggnitz profitierten. Dennoch blieb die Waldregion des Zerwalds, wie der Semmering damals noch vielfach genannt wurde, weiterhin schwach besiedelt.

Erst als unter Karl VI. vor rund 270 Jahren die erste Semmeringstraße fertig gestellt wurde, war ein weiterer bedeutsamer Schritt zur Erschließung dieser waldreichen Gegend getan. Aber es dauerte noch lange, bis aus Einzelhöfen und Rotten Gemeinden wurden, die für den Fremdenverkehr Bedeutung erlangten.

Zunächst hatten Gloggnitz und Schottwien auf der niederösterreichischen und Mürzzuschlag auf der steirischen Seite den Hauptgewinn an dieser Entwicklung. Der lebhafte Durchzugsverkehr brachte Gloggnitz das Marktrecht. Auch das Gewerbe blühte, da von dort aus für das schwere Fuhrwerk ein Vorspann geleistet werden musste und Gebrechen an den Fahrzeugen noch behoben werden konnten. Die letzte und damit wichtigste Umspannstation, zugleich der Fußpunkt zur bevorstehenden Bergfahrt, war aber Schottwien. Ab hier mussten auch die leichteren Fuhrwerke und Reisewagen einen Vorspann in Anspruch nehmen. Auch als Nächtigungsort gewann dieses Bergdorf an Bedeutung. Leistungsfähige Gasthöfe und eine Flut von Stallungen - der Vorspann erforderte zuweilen bis zu einem Dutzend Pferde - kennzeichneten damals das Ortsbild. Entsprechend den Erfordernissen gab es neben Vorspannknechten, Wegemachern und Kaufleuten auch eine Anzahl Schmiede, Wagner und Sattler, die alle Ihre Geschäfte machten. In Schottwien war eine der wichtigsten Poststationen der Strecke, und hinter dem Ort befand sich die Mautstelle.

Die für die Reisenden überaus gefährlichen Steigungen der alten Passstraße waren es dann auch, die bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu Entwürfen für eine neue Trassenführung über die Passhöhe führten. Doch erst in den Jahre 1839 bis 1841 kam es dann zur raschen Ausführung der zweiten, der neuen Straßenverbindung über den Semmering.

Etwa zur gleichen Zeit wurden zwei wichtige Bahnstrecken angelegt, die eine von Wien nach Gloggnitz und die andere von Mürzzuschlag nach Bruck an der Mur. Beide konnten 1842 ihren Betrieb aufnehmen.

Der Eisenbahnverkehr brachte für die Passagiere nicht nur eine wesentliche Verkürzung der Fahrzeit, sondern auch eine enorme Verbilligung der Fahrtkosten. Dadurch kam es zu einer starken Zunahme des Reiseverkehrs. Aber auch die neue Semmeringstraße nahm als Verkehrsweg einen ungeahnten Aufschwung.

Waren schon bei der Errichtung der alten Semmeringstraße zeitweise bis zu 2500 Arbeiter eingesetzt, so glichen bald einzelne Punkte des Höhenzuges wahren Heerlagern, als man nach den genialen Plänen des Karl Ritter von Ghega daranging, die noch fehlende Strecke zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag in Angriff zu nehmen. Als kühner Vorreiter aller Gebirgsbahnlinien genießt die Semmeringbahn noch heute die Bewunderung der Welt. Mit 16 teils mehrstöckigen Viadukten, 15 Tunnels, 142 Hochbauten, 129 Brücken, künstlichen Wänden und Stützmauern ist sie in nur sechs Jahren Bauzeit, errichtet worden.

Das waldreiche Gebiet wurde auch bald für den Fremdenverkehr entdeckt. Zunächst waren es Reichenau und Payerbach, die Sommerfrischen und Ausgangspunkte für Ausflüge und Bergwanderungen in Anspruch genommen wurden.

Die Semmeringhöhe besaß zunächst nur zwei bescheidene Gaststätten "Zum Erzherzog Johann" und "Zum Semmeringbauer".

1882 wurde dann das aufwendige Südbahnhotel errichtet, schon sechs Jahre später folgten das Panhans nach und bald darauf durch Umbau des "Semmeringbauer" zum "Hotel Stephanie" und der alten Gaststätte gleichen Namens zum "Hotel Erzherzog Johann" weitere Großbauten des Beherbergungswesens und der Gastronomie. Rasch entstanden weitere Hotels, drei Kuranstalten und Touristenhäuser. In dieser Zeit wurde der Semmering nicht nur als Weltkurort in den Medien gepriesen, sondern auch Prominenz aus Politik, Wissenschaft und Kultur gaben sich die Klinke in die Hand.

Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich zwar manches, aber der Semmering blieb der bevorzugte Treffpunkt finanzkräftiger Kreise. Die Großhotels wurden wieder eröffnet, das Freizeitangebot erweitert, die Infrastruktur verbessert. Die Villen wandelten sich vielfach in Pension, und das Spielkasino lockte viele Gäste aus dem In- und Ausland an.

Schlimmer war es nach 1945. War das Gebiet vorher schon kriegsbedingt zweckentfremdet, so war es gegen Ende des großen Infernos für längere Zeit Frontabschnitt und es erlitt auch noch während der Besatzungszeit schwere Schäden. Aber 1948 öffnete wieder das Südbahnhotel und ein Jahr später auch das Panhans. Von 1956 bis 1958 wurde die Semmeringstraße wieder ausgebaut und durch eine neue Trasse ersetzt. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts waren durch ein stetiges Auf und Ab gekennzeichnet. Nachdem in den 60er und 70er Jahren die großen Hotels wie das Südbahn, das Panhans oder das Kurhaus zusperren mussten, stockte die weitere Entwicklung des Zauberberges. Als allerdings 1983 das noch heutige Flaggschiff des Semmering, das Grand Hotel Panhans, wieder seine Pforten öffnete, ging es auch mit dem Semmering bergauf. Ende der 80er Jahre wurde mit dem Ausbau des Skigebietes Hirschenkogel in Angriff genommen, der 1995 mit der erstmaligen Austragung von FIS Weltcuprennen belohnt wurde. 1998 errichtete man die modernste Kabinenbahn auf den Hirschenkogel, den "Magie MountainXpress", die auch heute Synonym für den Aufschwung des Semmering ist.

Heute gilt der Semmering im Winter mit den Weltcupveranstaltungen, der stärksten Flutlichtanlage der Welt (seit der Saison 2000 / 2001) und er ausgebauten Erlebnis Rodelbahn, die auch nachts beleuchtet ist, als die wahrscheinlich erlebnisreichste Skiregionen Mitteleuropas. Im Sommer finden nicht nur Wander- und Golffans wunderbare Sportmöglichkeiten vor, sondern vor allem durch die Vielzahl an Kulturveranstaltungen wie den Theaterfestspielen im Südbahnhotel oder der Internationalen Sommerakademie Prag - Wien - Budapest erlebt der Zauberberg eine unglaubliche Renaissance.